Zoll in Frankfurt beschlagnahmt 1,5 Millionen Euro in Gold

Steuerschulden verhindern Reise nach Thailand über Dubai. Handgepäck mit 27,3 Kilogramm Gold werden von Zoll beschlagnahmt um offene Rechnung beim Finanzamt zu zahlen.

Beschlagnahmte Goldbarren durch Zoll - Quelle: Zoll.de
Beschlagnahmte Goldbarren durch Zoll – Quelle: Zoll.de

Zoll am Frankfurter Flughafen beschlagnahmt 27,3 Kilogramm Gold

Am 4. Juli wollte ein in Thailand lebender Deutscher von Frankfurt am Main nach Dubai fliegen. Er meldete pflichtbewusst den Inhalt seines Handgepäcks an. Beachtliche 27,3 Kilo Gold im Wert von mehr als 1,5 Millionen Euro! Zu den Spitzenzeiten des Goldpreises von über 2000$ wären das knapp 1,7 Millionen Euro gewesen. Es ist nachvollziehbar, dass Gold im Handgepäck mitzunehmen, anstatt im Koffer. Da man den Betrag offiziell melden muss, möchte man seinen Schatz immer im Blickfeld haben während der Reise. Dabei nimmt man gerne in Kauf etwas extra zu zahlen, da man die regulär zulässigen 8-16kg überschreitet.

Der Auswanderer konnte bezeugen, dass er das Gold legal erworben hatte und es für seinen Lebensunterhalt in Thailand benötigte. Jedoch stellte der Zoll bei einer Abfrage fest, dass der Mann einem nordrhein-westfälischen Finanzamt seit 2019 mehr als 1,4 Millionen Euro an Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Säumniszuschlägen schuldet. Offenbar hat der Mann Deutschland hinter sich gelassen und wollte nocheinmal einen Goldnachschub aus Deutschland holen um im Thailand auf großen Fuß zu leben.

Das Sachgebiet C des Hauptzollamts Frankfurt setzte die offene Forderung durch und beschlagnahmte das Gold. Nun hat der Mann sechs Wochen Zeit, die Steuerforderung zu begleichen. Schafft er das nicht, geht das Gold an NRW um die Schulden zu tilgen.

Privater Goldbestand wächst kontinuierlich in Deutschland

„Er konnte einwandfrei nachweisen, dass er das Gold legal erworben hat und hätte damit auch problemlos ausreisen können“, sagte ein Zollsprecher am Freitag. Der Goldschatz soll aus Firmenverkäufen stammen und sollte seinen Ruhestand in Thailand finanzieren, jedoch hat er ein offenes Knöllchen beim Finanzamt unterschätzt oder gar vergessen. Für die Zollbeamten in Frankfurt war dieser Fall alles andere als alltäglich. „Dass jemand eine so große Menge Gold bei sich trägt, ist sehr ungewöhnlich„, sagte der Sprecher. Nicht zuletzt wegen der Gefahr, bestohlen zu werden. Normalerweise würden solche Summen sicher über Banken transferiert.

Auch wenn es sich in diesem Fall wahrscheinlich um eine Goldschmuggel Aktion handelt um das Finanzsystem zu umgehen, steigt der allgemeine Goldbesitz privater Haushalte in Deutschland immer weiter an. Die für Statistiken bekannte Seite statista hat für 2021 über 9.089 Tonnen Gold in privaten Haushalten angegeben. Dazu zählen auch Schmuck wie Halsketten, Uhren, Ringe und Goldmünzen. Der Goldbestand der deutschen Haushalte ist damit größer als die weltweit größte staatliche Goldreserve in den USA. Diese beträgt 8.133 Tonnen im Jahr 2021. Deutschland hat dagegen „nur“ 3.359 Tonnen Gold als Reserve eingelagert.

 

Seltener Fund für Zoll

Gold würde bei jedem modernen Scanner auffallen, sodass schmuggeln im Reisegepäck in Frankfurt unmöglich wäre. Ab 10.000 Euro Barmittel müssen vorher angemeldet werden. Trägt man Gold im Wert von mehr als 10.000 Euro bei sich, muss man dies dem Zoll auf Nachfrage mündlich mitteilen.

In der Vergangenheit wurde am Frankfurter Flughafen ein Koffer voller Pflanzen entdeckt. Es handelte sich um grüne Blätter, die als Kaudroge gelten. International wurden schon lebende Tiere im Reisegepäck entdeckt. So zum Beispiel ein Tigerbaby im Iran und Aale in den USA. In Kairo wurden Gehirne von Kühen gefunden, die dort als Delikatesse gelten. In den USA am Arnold Palmer Regional Airport wurde sogar ein Raketenwerfer entdeckt.

(TB)